Mein Afrika-Dioramenbericht soll einige
Tips zur interessanten Gestaltung der sonst eher eintönigen Wüstenlandschaft bieten. Neben einem historischen Rückblick über die berühmte L.R.D.G., wird
vor allem das Selber-Basteln einer Kaktuspflanze
und die Darstellung der Felsenlandschaft im Diorama erklärt.
Die L.R.D.G. und die "Roadwatch"
Die Long Range Desert Group erfüllte zu Beginn auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz, später auch in Südeuropa, verschiedenste Aufgaben:
- Aufklärung,
- Sabotageraids,
- Transportaufgaben für andere Sabotagetruppen,
- Geländeerkundung für geplante Flankenangriffe der britischen Hauptkräfte.
Sie war eine Elitetruppe mit besonderem Corpsgeist, obwohl ihre Angehörige aus aller Herren Länder des britischen Empire stammten: Südafrika (Süd Rhodesien), Neuseeland, England und Indien.
Oft im Schatten der berüchtigten SAS (Special Air Service), war ihre Art der verantwortungsvollen Einsatzführung doch herausragend und oft ungedankt, obwohl gerade Beobachtungsaufgaben, wie die sog. "Road Watch" mehr zur Niederlage Rommels beigetragen haben, als die viel spektakuläreren Sabotageakte der SAS.
Im Jahr 1942 begannen auch die Kommandeure der britischen Truppen in Nordafrika den Wert der Hinterfrontaufklärung zu schätzen, als die Patrouillen der berüchtigten L.R.D.G., deren Kommandeur zur Zeit meiner Dioramen-Szene Guy L. Prendergast war, bis weit hinter den Raum El Agheila vorstießen und den Stäben wertvolle Hinweise über die Absichten Rommels lieferten.
Von besonderem Interesse war die Beobachtung des Nachschub-verkehrs auf der Via Balbia. Diese, von den Italienern ausgebaute Küstenstraße war die Lebensader für Rommels Nachschub. Daher war es sehr wichtig für die Briten, die deutsch/italienische Nachschubsleistung und deren Truppenverschiebungen frühzeitig zu erkennen.
In diesem geschichtlichen Zusammenhang war daher im November 1942 die G1 Patrouille (Guards) unter dem Kommando von Cptn. Alastair Timpson (rechts im Bild) aufgebrochen, um im Raum nahe des Acro dei Fileni 1, des "Tors nach Afrika" (am 15.3.37 vollendet und von Mussolini pompös eingeweiht, von den Briten "Marble Arch" genannt), eine bereits seit Wochen vor Ort befindliche andere Patrouille abzulösen.
Während des Anmarsches, der sich wegen der relativen Enge zwischen Meer und der "Zella Spalte" einigermaßen schwierig gestaltete, wurde die Patrouille auch promt von einem italienischen Aufklärungsflugzeug entdeckt. Daraufhin starteten die beiden Achsenmächte eine großangelegte Gegenjagd, bei der auch deutsche Panzerspähwagen beteiligt waren.
In einem harten Gefecht konnte die Hälfte der Briten mitsamt ihren Fahrzeugen gefangen genommen werden und wurden in die nahegelegene Oase Zella verbracht. Zu den Ortsangaben vergleiche den Kartenausschnitt. 2
Captain Timpson schaffte es aber, mit Teilen seiner Patrouille zu entkommen und die Kameraden beim Arco dei Fileni abzulösen. Das war insoferne besonders wichtig, nachdem dieses Vorhaben der britischen Spezialeinheiten zuvor bereits einmal gescheitert war.
Cptn. Timpson kehrte später wieder zu seiner Stammtruppe, dem 2nd Btn Scotts Guards zurück, überlebte den Krieg und ist im Alter von 82 Jahren 1998 in England gestorben.

Die Modelle
Der Chevrolet 30 cwt
Der Bausatz stammt von Tamiya und hat schon viele Jahre auf dem Buckel, kann aber mit wenig Mehraufwand zu einem schönen Modell gemacht werden. Ich habe ein paar der Kühlereinlass-Rippen mit dünnem Blech ausgetauscht. Die Sandmatten, welche auf der Innenseite als Fliegererkennungstuch und rot-weiß gestreift waren habe ich ebenso aus Blechfolie und kleinen darin eingeschlagenen Plastikstäbchen nachgebildet, da die Teile des Bausatzes schlecht detailliert waren.
Die Einschusslöcher am Kotflügel und auf der Motorhaube entstanden durch Bohren von großen Löchern in die Plastikbauteile. Dann wurden die Außenseiten der Lochränder mit einer Vertiefung versehen, um im Anschluss an diese Arbeit das dünne Alublech plan mit der Oberfläche einkleben zu können.
Nachdem der Superkleber getrocknet war, stach ich mit dem Bastelmesser unregelmäßig ausgefranste "Einschusslöcher" in das Aluminium. Somit erhält man Schäden, die von Splittergranaten herrühren könnten. Runde Einschusslöcher habe ich durch Bohren simuliert, wobei aber die Bohrränder mit einer Kugelkopffräse an der Oberfläche noch leicht vertieft wurden. Das lässt den Eindruck der Innenwölbung des Fahrzeugblechs durch die Patrone entstehen.
Das SdKfz 232
Auch ein "Veteran" unter den Tamiya-Bausätzen! Mit einem (weniger guten) Ätzteilsatz der Firma "Showmodelling" wurden einige Luckendeckel, Halterungen und Ösen, der vordere Panzerschutz samt Halterung, sowie die gut dargestellten Regenrinnen oberhalb den Luken aufgewertet.
Der bügelartige Scheinwerferschutz an beiden Fahrzeugseiten wurde aus Draht verlötet. Die drehbaren Lamellen an der Motorraumklappe machte ich aus Blech und konnte sie daher - im Gegensatz zur Darstellung beim Bausatzteil - geöffnet darstellen.
Die hinteren Rahmenantennen-Halterungen ersetzte ich durch Kupferrohre. Außerdem ergänzte ich den Antennendraht, welcher vom Rahmen in das Fahrzeuginnere führt, samt dem dazu gehörenden Isolator auf der Motorabdeckung.
Die Maschinenkanone und das MG 35 bastelte ich aus Injektionsnadeln und Alufolie.
Die Anleitung dazu findet man in der Tips-Sparte.
Der Mercedes l3000
Dieses Modell von Italerie streitet mit den vorher beschriebenen Tamiya-Produkten um den Preis des ältesten Modells. Ganz eindeutig aber hat es das Rennen um das schlechteste Modell gewonnen: Nachdem Italerie nur die Formen vom Opel "Blitz" zu einem Mercedes umgemodelt hat, wird historische Korrektheit bei dem Bausatz vergeblich gesucht.
Die beiden Bauberichte zu diesem Modell kann man ebenfalls in der Tips-Sparte finden.
Der VW-Kübelwagen, Typ 82

Dieses relativ neue Produkt (verglichen mit den vorangegangenen!) ist Tamiya definitiv sehr gut gelungen. Ich musste außer selbstgemachten Scheibenwischern, Gewehrhalterungen und der Reserverad-Abdeckung nichts ergänzen oder verbessern. Man sollte wegen des offenen Fahrgastraumes allerdings erhöhte Aufmerksamkeit beim Verspachteln und Verschleifen der Auswerferstellen verwenden.
Die Figuren:
Sehr viele
der Soldaten mussten abgeändert werden, damit eine natürliche Haltung erzielt wird. Ich habe bewusst verschiedene Hersteller verwendet, um die unterschiedlichen Körpergrößen und Staturen zu vereinigen. Manchmal habe ich zwar die Köpfe gegen solche von Verlinden oder Warriors ausgetauscht, viele Dragon- oder Tamiya- Figuren blieben aber mit ihrem angestammten erhalten.
Am aufwändigsten war die Umbauarbeit für den Soldaten, welcher im Kübelwagen Platz genommen hat. Es mussten sowohl die Hüften, Beine und Füße, als auch die Arme intensiv verändert werden, um die Figur "satt" auf dem Sitz eingepassen zu können. Die Spachtelmasse von Model Masters "Red Putty" ist mir für das Verschließen der Lücken bei solch umfangreichen Änderungen am liebsten, da es fast nicht schrumpft und mit Aceton und Pinsel beinahe rückstandsfrei in die Spalten eingestrichen werden kann.
Das Diorama:
Bei Dioramen, die Afrika als Schauplatz darstellen, läuft man Gefahr, dass die Eintönigkeit der Landschaft auf die der Darstellung im Modell abfärbt. Ich habe daher mehrere allgemeine Geländedarstellungskniffe verwendet, die jene Eintönigkeit etwas aufbrechen sollten:
- erhöhtes Geländeniveau im hinteren Bereich,
- Bewuchs in verschiedenen - wüstentypischen - Varianten,
- durch Felsen stark strukturierte Oberflächen im Gegensatz zur ebenen Wüste,
- eine große Palme mit "unten Durchblick-Effekt" auf einige Figuren und Modelle,
- eine Kunstbau mit geraden Formen und Kanten (Benzinrampe) als Kontrast zu den unregelmäßigen Felsen.
Geländeaufbau
Auf eine einfache Pressspanplatte wurden Styrodurstücke in Form der späteren Gelände-Oberfläche mit Weißleim aufgeklebt. Darauf kommt dann eine Schicht mit Gipsbinden. Darin eingedrückt werden noch vor dem Aushärten meine Felsen. Für diese muss natürlich am Rand des Styrodurs entsprechend Platz freigelassen werden! Das stellte sich vor allem im Bereich der Straße als schwierig heraus.
Für die Felsen verwendete ich Steine, die ich Terrariumhandel entdeckt hatte. Mir gefielen die Rippenformen, weil ich damit eine halbwegs einheitliche Struktur der Steinwand darstellen konnte.
Ergänzend nahm ich auch noch Rindenstücke, die leicht zu als Zwischenstücke und Verlängerung für die Terrariumsteine eingesetzt werden können: man braucht sie nur mit einer Säge anschneiden und dann brechen. Zum Verblenden der Übergänge von dem einen Medium zum anderen habe ich grüne Steckschwämme hergenommen, welche man sonst für Blumengestecke verwendet.
In verbleibende Zwischenräume wird mit Weißleim angemischter Schotter, Kiesel und Sand eingefüllt. Somit hat man auch gleich die Simulation der Erosion erreicht.
Ähnlich verfährt man auch mit dem flachen Wüstenboden, nur dass man hier viel weniger Steine, sondern statt dessen sehr viel echten Sand verwendet, den ich - bis zu den Knien im kalten Wasser stehend - letzten Herbst aus dem Inn gefischt hatte. Ufersand ist sehr fein und für diesen Dioramenzweck ausgezeichnet geeignet.
Die Vegetation
Die kleinen Büsche habe ich aus einem moosartigen Gewächs herausgezupft, das normalerweise Terrassen begrünen soll. Der Gartenhändler hat mir ein Stück davon günstig überlassen, weil es schon stark verdorrt war. Wenn der wüsste, dass es so für mich genau richtig war! Ich musste das Gewächs nicht einmal mehr bemalen.
Die größeren Dornensträucher sind Meerschaum-Äste. Auch diese wurden nicht bemalt. Da die Stämmchen innen hohl sind, braucht man für die Montage auf dem Diorama nur ein Drahtstückchen einfügen, im Boden ein Loch bohren und den Strauch mit Superkleber befestigen.
Der Kaktus ist ebenfalls ein Naturprodukt. Man muss die Pflanze sehr früh im Wachstumsstadium "erwischen". Ich hatte Glück, zum Leidwesen meiner Frau, die eigentlich etwas anderes mit dem Kaktus vor hatte...
Nun kann man aber so einen Kaktus nicht einfach auf ein Diorama kleben, weil er zu 90% aus Wasser besteht und ich mein Werk nicht ewig begießen kann. Also mussten die einzelnen Kakteenfortsätze zuerst in Cyanoacrylat-Superkleber, dann in Clear (Bodenversiegelung) eingetaucht werden. Eine zarte Schicht verdünnte Tamiya- Spachtelmasse verstärkte noch die Oberfläche.
Einige Wochen später (es könnte auch früher sein, aber ich habe erst nach dieser Zeit nachgesehen) ist das innere "Fleisch" der Fortsätze, welcher den hohen Wasseranteil aufweist verschwunden. Die enstandene Höhle wird mit Gießkeramik oder Spachtelmasse aufgefüllt. Dabei muss man äußerst vorsichtig vorgehen, weil die Haut extrem brüchig ist. Bei diesem Arbeitsschritt sollte man auch gleich ein Stück Draht mit eingießen. Das hilft beim späteren Bemalen und Montieren.
Die Herstellung der Palme ist bereits als Tips-Artikel nachzulesen.
Bemalung
Nach einer Grundierung mit dunkelbrauner Farbe aus der Airbrush wird damit auch die Sandfarbe (Tamiya Acrylfarbe, Mischung aus Dunkelgelb und Sandfarbe) aufgesprüht. In Vertiefungen sollte die dunklere Grundierung durchscheinen.
Die Grundierung wird nun mit immer mehr Sandfarbe und zum Schluss mit Weiß aufgehellt. Die ersten Schattierungen erfolgen noch mit der Sprühpistole, die weiteren dann mittels Pinsel und Trockenmalmethode. Die Felsen werden dann mit reinem Weiß noch an den höchsten Stellen etwas trockenbemalt.
Die Palme wurde mit Schwarz, Braun, dunkelgelb in aufsteigender Reihenfolge am Stamm bemalt. Die Blätter mit "German Grey" von Tamiya grundiert und im Zentrum mit Humbrol Hellgrün-seidenmatt (Froschgrün?) aufgehellt. Diese Farbe wurde mit der Airbrush aufgetragen, genau so, wie das abschließende Hellbraun, das aber nur an ausgesuchten Blattspitzen aufgesprüht wurde. Palmenblätter sind nämlich meistens an den Spitzen etwas abgestorben
Zusammenfassung
Nachdem mehr als zwei Jahre ins Land gegangen waren, bis ich endlich das Projekt zu einem Abschluss bringen konnte, war ich doch froh darüber, dass ich dies noch vor dem großen Wettbewerbs-Wochenende der "Go-Modelling 2005" geschafft hatte. Ein Vorteil bei langwierigen Arbeiten ist allerdings der, dass man viele Dinge erst im Laufe der Arbeiten zufriedenstellend bewältigen kann, weil man oft erst nach langem Nachdenken die beste Lösung für ein Problem findet und nicht rasch die drittbeste Variante anwendet.
Manche verwendete Materialien fand ich erst bei Ausflügen, wie beispielsweise den Flusssand oder weil meine Frau für sich einen süßen kleinen Kaktus nach Hause brachte...
Hier ist wieder einmal der Grundsatz für Dioramenbauer offensichtlich geworden:
ohne Geduld, kein Erfolg!
© 2005 Schachinger
Auf die Bilder klicke, um zu Vergrößern. Bilder öffnen in neuem Fenster.