Ausgangslage: "Out of the box"

Weil
ich dieses Modell in einem Wettbewerb unter der Kategorie "out
of the box" (OOB), also aus der Schachtel gebaut, teilnehmen
lassen wollte, konnte ich keine - sonst bei mir üblichen -
Bastelorgien veranstalten. Wenigstens die MG-Läufe bohrte ich
auf, die Schraubenschlitze am Turmdach ritzte ich ein und die fehlenden
Schweißnähte wurden mit Spachtelmasse ergänzt. Ich
ergänzte nicht einmal die Lüftergitter am Panzerheck.
Das lässt somit leider auch Rückschlüsse über
die magere Ausstattung des Tamiya-Bausatzes zu. Ein Metallrohr sucht
man übrigens auch vergeblich in der Schachtel.
Ansonsten ist der Bausatz aber gut detailliert und sogar mit
einigem Zubehör ausgestattet. Man findet z.B. die alten Leiträder,
von denen ich eines verwendete, um das Modell etwas abwechsungsreicher
zu gestalten.
Weil ich immer eine kleine Geländebasis zu meinen Modellen
gestalte, musste ich diesmal besonders "aufpassen",
nicht zuviel daran herumzutüfteln. Bei der OOB-Kategorie
sind nämlich nur Flugfelder, Flugzeugträgerdecks, Straßen
oder ähnlich schmucklose Flächen erlaubt, damit man
nicht vom Modell ablenkt. Nun, nachdem eine Straße ja nicht
im "luftleeren" Raum sein kann, muss auch ein wenig
Gelände drumherum sein. Figuren und sonstiges Zubehör
sind nicht ebenfalls nicht erlaubt.

Bemalung
Basisarbeiten
Diesmal fing ich direkt mit einer erdbraunen Grundierung mit
Tamiya-Acrylfarben an. Darüber erfolgte eine stufenweise
Aufhellung mit Tamiya Dunkelgelb, später gemischt mit "Buff"
(ebenfalls Tamiya). Von unten nach ober wurden die Flächen
immer heller bemalt, was den Lichteinfall simulieren soll. Ich
achtete darauf, dass die senkrechten Flächen mehr erdbraun
blieben und die waagerechten und oberen Panzerplatten immer heller
wurden.
Schließlich kam fast reine Sandfarbe (Tamiya "buff")
auf einzelnen Segmenten zu Einsatz. So wurden z.B. bestimmte Lukendeckel
oder das vordere Turmdach so bemalt.
Im Laufwerksbereich trug ich erdfarbene Pigmente vermischt mit
Einkomponenten-Spachtelmasse (von Tamiya) und Verdünner auf.
Das
rechte Leitrad und eine Laufrolle wurde mit Panzergrau und eine
Lüfterluke der Motorraumabdeckung mit "Menninge"
dargestellt , um etwas Abwechslung in das Modell zu bringen (die
Grundierungsfarbe von deutschen Panzern - "Menninge"
genannt wurde im Produktionswerk bereits aufgebracht). Auf diesem
Bild sind die Panzerschutzdeckel noch dunkelgelb. Sie wurden später
ebenfalls in Menninge nachgebessert.
Zu diesem Zietpunkt war ich mir nicht sicher, ob ich eine grüne
Streifentarnung ausführen sollte, oder ob das Fahrzeug in
dunkelgelber Farbe belassen sollte. Daher wurden die Abziehbilder
des Bausatzes schon jetzt aufgebracht.
Tarnbemalung und erste Filter
Mit meiner treuen "Evolution" und einer 0,15mm Nadel
wurde bei ca. 1,6 bar Druck die dunkelgrün-olivgrüne
Mischung von Tamiya-Acrylfarbe, aufgehellt mit Fleischfarbe derselben
Firma, aufgespritzt. Der 3er bei der rechten Turmnummer wurde
vorher mit einer Maskierflüssigkeit abgedeckt und anschließend
der fehlende Teil des darüberlaufenden Tarnstreifens mit
dem Pinsel ergänzt.
Allfällige kleine Malfehler besserte ich anschließend
mit der dunkelgelben Grundfarbe und vorsichtigem Besprühen
der Ränder der Tarnstreifen wieder aus. In diesem Maßstab
sind die feinen Striche sehr schwierig zu spritzen!
Wichtig dabei ist, dass die Spritzhand mit der zweiten Hand unterstützt
wird und der Abstand der Düse vom Modell nur 1-3 cm betragen
darf. Auch die richtige Konsistenz der Farbe ist entscheidend:
nicht zu dünnflüssig damit keine Rinnsale und nicht
zu dick, damit keine ausgefransten Ränder entstehen.
Um auch bei den Tarnstreifen die Wirkung des natürlichen
Lichts zu unterstützen, wurden die oberen Teile mit "Buff"
sehr vorsichtig übernebelt.
Auf
dem rechten Bild erkennt man, dass der Turm im Gegensatz zur Wanne
bereits mit einem Detailwashing bearbeitet wurde. Dazu verwendete
ich die Ölfarbe "Vandyckbraun". In die Vertiefungen,
bei den Schweißnähten, um die Schrauben und unter den
Anbauteilen wird eine 80%ig verdünnte Ölfarbe aufgepinselt.
Anschließend putzt man mit einem leicht terpentinfeuchten
Pinsel den Überschuss wieder weg. Bei allen schrägen
oder senkrechten Stellen wird durch Herunterstreichen gleichzeitig
das ablaufende Regenwasser dargestellt, welche den Schmutz mitnimmt
und Schlieren erzeugt. Gleichzeitig erhält die Oberfläche
unterschiedliche Nuancen der dunkelgelben Farbe und die Eintönigkeit
der Grundierung wird gebrochen.
Am Fahrgestell wird mit reinem Schwarz gewaschen, diesmal flächig.
Die Stellen mit den Schmutzpigmenten an der unteren Wanne werden
mit dunkelbrauner (raw umbra) und schwarz gemischter ölfarbe
ebenfalls flächig gewaschen.
Detailbemalung und Kratzer
Durch den Einsatz verschiedener Malmedien von Acryl zu Öl
und verschiedenen Farben von braungrau bis hellgelb erzielt man
einen "lebhaften" kratzer. Allerdings erfordert das etwas Geduld
beim Malen. Ein Kratzer entsteht in mindestens sechs Stufen:
Noch
was zu der Kratzertechnik: wichtig ist, dass man nicht immer dieselben
Formen verwendet, d.h. mal längliche, mal flächige, mal zerfledderte
malen. Der Bleistift sollte nur ganz spärlich verwendet werden.
Beim Werkzeug und an den Ketten bringt er die besten Ergebnisse.
anschließend etwas mit einem festen Pinsel verreiben, damit man
die Ränder des Bleistiftstriches nicht mehr sieht.
Die stärkeren Ölflecken entstanden aus Ölfarbe
"lamp black" gemischt mit glänzendem Klarlack und
Terpentin. Die unregelmäßigen lasierenden Ölflecken
auf der Motorabdeckung enstanden durch Blasen mit dem Mund über
einen breiten Pinsel, der mit einer noch stärker verdünnten
Mischung wie vorhin für die Ölflecken gefüllt war.
Die
Ketten bekamen ein Washing mit erdbraun-acryl, dann eine Lage
verschiedener, trocken aufgestreuter Pigmente (heller-dunkler
rost, erdbraun und moosgrüner Schmutz. Diese wurden mit Terpentin-Beträufelung
fixiert, anschließend mit einem weichen Pinsel verblendet
und dann noch mit Gun-metall-Paste von Agama trockengemalt. Schließlich
wurden die Kanten noch mit Bleistift bearbeitet.
Kette und Heckbereich erhielten einen leichten Nebel mit "buff"
von der Airbrush. Die Abschleppseile bekamen noch ein paar Pigmente
dunkelbraun, gemischt mit dunklem Rost verpasst.
Einzelne Teilbereiche der Panzeroberfläche wurden mit "Future"
besprüht, um häufig benutzte Teile darzustellen, wo
die Besatzung die Tarnung zum glänzen gepracht hat bzw. der
Staub weggewischt wurde. Außerdem habe ich mit einem weichen
Bleistift einzelne Kratzer dargestellt, vor allem an den Kanten
und bei der Kommandantenluke.
Die Schmutzschlieren ablaufenden Staubs, welche im Bereich der
taktischen Nummer zu sehen sind, entstanden mittels Acrylfarbe
braun und sandfarben gemischt mit viel Wasser (90%).
Noch ein Tip: wem aufgefallen ist, dass alles Zubehör schon
am Panzer geklebt hat, als das Modell grundiert wurde und sich
fragt, wie man dann das ganze Zeug noch bemalen kann:
stark verdünnte Acrylfarbe in mehreren Schichten (z.b. Schwarz-Grau
für die Gummibandagen der Reserve-Laufrollen) führt
zum Erfolg.
Die
Ausrüstung wurde ebenfalls fertiggestellt. Alle Holzteile
erhielten eine sandfarbene Grundierung und kleine weiße
Streifen, welche die Maserung darstellen sollten. Dann wurde burnt
sienna Ölfarbe lasierend aufgetragen.
Die Schleppseilkauschen-, Schaufel-, Hacken-,Brechstangen- und
Drahtscherenmetallteile bemalte ich mit einer mischung aus Agama-brüniertes
Metall und Dunkelgrau. Dann wurde etwas Alufarbe trocken aufgestrichen
und darüber mit feuchtem Pinsel verschiedene helle und dunkle
Rostpigmente aufgetupft und nach dem Trocknen wieder mit einem
Pinsel verrieben oder getupft.
Die Schiene für die Antenne wurde mit grau trockengemalt
und anschließend noch mit verschiedenen sandfarbenen und
hellgrauen Pinselstrichen detailbemalt, damit es aussieht wie
Holz, von dem die Farbe abgeblättert ist.
Das Diorama

Die
Dioramengrundplatte ist ein stück Sperrholz, um das ich einen
Bilderrahmen passend zuschnitt. Das Kopfsteinpflaster ist ein alter
Zubehörteil von Verlinden.
Die Geländeform wurde zuerst aus Teilen von einem Blumenschwamm
geformt, welche ich dann um das Straßenstück passend
mit Weißleim aufklebte.
Dann kam ein Überzug aus Gipsbandagen darüber. Schließlich
mischte ich eine Masse aus Zellulose, Weißleim, Wasser,
Erde und Färbemittel braun der Firma "Noch".
Diese Masse diente zum Gestalten der Oberflächenform. Die
Grasbüschel sind aus dem Geländebauzubehörhandel
der Firma Silflor.
Die Straße erhielt eine graue Grundierung. Einzelne Pflastersteine
habe ich mit verschiedenen anderen Farben, wie Hellgrau, Blau,
Braun, Grün und Sky bemalt.
Dann folgten mehrere Washings mit Schwarz und Braun. Schließlich
kamen verschiedene Schichten Pigmente (Sand, grüner Schmutz,
Braun) zum Einsatz, die mit dem Pinsel aufgetupft und dann mit
Terpentin "weggeschwemmt wurden.
Weitere Pigmente wurden aufgestreut und ebenso mit Terpentin beträufelt.
Anschließend kamen noch einige Detailwashes mit sandfarbener
Ölfarbe in die Ritzen einiger Pflastersteine. Zuletzt erfolgte
ein Einstauben des Bereichs der Straße, vor allem die Straßenränder
mit "Buff" von tamiya mittels Airbrush. Auch das Gras
und die Erde am Wegesrand sollen merklich davon abbekommen, damit
der Effekt der Staubfahnen von den vorbeifahrenden Fahrzeugen
gut zur Wirkung kommt.
Fazit
Der Bau "OOB" war eine interessante Erfahrung, die
mir zeigte, dass der meiste Aufwand, den man beim Zusammenbau
mit Scratchen und sonstigem teurem Zubehör manchmal treibt,
gar nicht so effektiv ist. Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Bemalung
kann auch ziemlich gute Ergebnisse bringen. Sicherlich gäbe
es bei diesem Modell noch einiges zu tun, wie die Lüftergitter
aber ich kann auch so ganz gut damit leben. Vielleicht wird ja
nach dem Bewerb noch etwas nachgebessert...
© 2008 G. Schachinger